Zum Welt-Braille-Tag am 4. Jänner 2019

BSVK Kärnten Allgemein

Dazu ein netter Radio-Beitrag aus dem Jahr 2010, der es auf den Punkt bringt, worum es bei der Braille Schrift geht.

Seit dem Jahr 2001 gilt jeder 4. Januar als Welttag der Brailleschrift, anlässlich des Geburtstags ihres Erfinders Louis Braille am 4. Jänner 1809. Die Brailleschrift wird von stark Sehbehinderten und Blinden seit fast 200 Jahren benutzt.

Louis Brailles Geschichte ist ebenso traurig, wie imponierend:

Im Alter von vier Jahren verletzte sich Braille mit einer Ahle (ein scharfes Schusterwerkzeug) in der Werkstatt seines Vaters am Auge. Das verletzte Auge entzündete sich und infizierte das zweite, bis dahin unversehrte, Auge. Dies führte zur völligen Erblindung des kleinen Louis. Der wissbegierige Junge kam in die Blindenschule nach Paris. Dort wollte er sich nicht damit abfinden, Literatur nur vorgelesen zu bekommen. So machte er sich schon früh Gedanken über eine Schrift für Blinde. Ein Anstoß für seine Erfindung waren Drucke in erhabener Schrift, mit mindestens zweieinhalb Millimeter hohen Buchstaben. Louis Braille experimentierte in der Schusterwerkstatt seines Vaters mit geprägten Schriften auf Leder, beides war für den Druck von Büchern nicht geeignet. Als 11-Jähriger lernte Braille durch den Artilleriehauptmann Charles Barbier die für militärische Zwecke erfundene „Nachtschrift“ kennen: ein kompliziertes System von Punkten und Silben. Braille vereinfachte diese Schrift, indem er die Silben durch Buchstaben ersetzte und die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs pro Zeichen reduzierte. 1825 hatte der erst 16-jährige Louis Braille seine Blindenschrift fertig gestellt.

Obwohl die Schriftzeichen leicht erlernbar und einfach zu schreiben waren, konnten sie sich lange nicht durchsetzen. Mit 27 Jahren hatte Louis Braille bereits etliche Bücher mit der Hand übertragen und versucht, in der Öffentlichkeit zu beweisen, wie schnell er schreiben und lesen konnte. Doch seine Zuhörer glaubten, er habe die Texte auswendig gelernt. Eine offizielle Anerkennung für seine Leistung blieb Zeit seines kurzen Lebens aus. Der neue Direktor der Blindenschule verbot die Punktschrift in der Meinung, dass sich Blinde durch eine Schrift, die Sehenden unbekannt ist, isolieren würden. Braille war auch begeisterter Orgelspieler. 1828 erfand der schon kränkliche Louis eine auf den sechs Punkten basierende Notenschrift. Sie setzte sich schnell durch und ist international standardisiert bis heute die einzige Möglichkeit für Blinde Musiknoten zu lesen bzw. zu schreiben. Damit schuf Louis Braille die Grundlage für das Einkommen blinder Berufsmusiker.

Stellen Sie sich die Musikwelt ohne Ray Charles, Andrea Boccelli und Stevie Wonder vor?

Erst 1850 wurde die Brailleschrift offiziell für den Unterricht an französischen Blindenschulen eingeführt. Den internationalen Siegeszug seiner Erfindung erlebte der Zeit seines Lebens arbeitsame und schwerkranke Braille nicht mehr. Er starb 1852 in Paris an Tuberkulose. 100 Jahre nach seinem Tod wurde Brailles Körper exhumiert und in das Panthéon in Paris überführt. Seine Hände, die so zentrale Bedeutung für seine Erfindung hatten, blieben jedoch in seinem Grab an seinem Heimatort.

 Seine Leistung

Die Verbreitung seiner Schrift beendete den Analphabetismus unter blinden Menschen und eröffnete ihnen den Zugang zur Bildung. Aber auch im Zeitalter von sprechenden Hilfsmitteln und Sprachausgaben am Computer ist die Brailleschrift für blinde Menschen von enormer Bedeutung. Die Kenntnis der Brailleschrift und der Umgang mit Hilfsmitteln sind eine wichtige Voraussetzung für die berufliche Integration blinder Menschen. Durch die Entwicklung sprechender Hilfsmittel verbreitet sich allerdings die Auffassung, blinde Menschen könnten ohne Brailleschrift auskommen. Im internationalen Vergleich beherrschen etwa 10 – 15 % aller Blinden und Sehbehinderten die Brailleschrift.

Brailleschrift im Alltag

Man findet die Brailleschrift inzwischen auf Medikamenten, einzelnen Lebensmitteln und endlich auch im öffentlichen Raum, beispielsweise in Aufzügen und auf Tafeln. Alleine dadurch können sich Blinde aber nicht im in der Öffentlichkeit orientieren. Zusätzlich sind Kennzeichnungen in erhabener Schwarzschrift (in Ämtern, Bahnhöfen etc.) und die Verlegung von Leitlinien, die Einrichtung von Blindenampeln, sowie die Vermeidung von unnötigen Hindernissen für die Selbstständigkeit der Blinden und Sehbehinderten entscheidend.

Wie funktioniert die Brailleschrift?

Die Schrift arbeitet mit Punktmustern, die von hinten in das Papier gepresst sind, so dass sie als Erhöhung mit den Fingerspitzen abgegriffen werden können.

Sechs Punkte, drei in der Höhe mal zwei Punkte in der Breite, bilden das Raster für die Punkte-Kombinationen, mit denen die Buchstaben dargestellt werden. Bei sechs Punkten ergeben sich 64 Kombinationsmöglichkeiten (das Leerzeichen inbegriffen).

Für die Ausgabe von Texten in Brailleschrift durch den Computer werden Braillezeilen verwendet. Da für die Arbeit am Computer mehr Zeichen notwendig sind, als sich mit sechs Punkten darstellen lassen, werden bei der Braillezeile noch zwei weitere Punkte je Braillezeichen hinzugefügt, so dass acht Punkte, vier in der Höhe mal zwei in der Breite, zur Verfügung stehen (Computer-, Eurobraille). Auf diese Weise erhält man 256 Kombinationen.

Für viele Sprachen bzw. Fachsprachen gibt es eigene Zeichensätze z. B. die Mathematikschrift, die Chemieschrift, die Musikschrift u.a. Es gibt auch vier Arten der Blindenkurzschrift, die zur Erstellung von Druckerzeugnissen in Blindenschrift eingesetzt wird.