Bundeskanzlerin Brigitte Bielein bei der Eröffnung der Tagung

Konferenz Frauen mit Behinderung in Wien

BSVK Kärnten Allgemein

Frauen mit Behinderung

Kampf für mehr Sichtbarkeit

Die „Unsichtbarkeit“ von Frauen mit Behinderungen bringt enorme Benachteiligungen mit sich, so der Österreichische Behindertenrat. Eine Konferenz in Wien widmet sich nun diesen Frauen und ihren Herausforderungen. Dadurch soll in erster Linie Bewusstsein geschaffen werden – denn thematisiert werden drohende Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt fast nie.

„Viel und laut“ müsse man sich dem Thema widmen, so die Ehefrau von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Doris Schmidauer, die auf das Potenzial bei erhöhtem Armutsrisiko hinwies und nachdrücklich für eine inklusive Gesellschaft plädierte. „Es muss ein Schalter im Kopf umgelegt werden.“

Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt betreffen Frauen mit Behinderungen häufiger, ihre Fähigkeiten werden oft nicht gesehen. Im Rahmen der zweitägigen Konferenz gibt es Vorträge zu verschiedenen Bereichen der Lebensrealität dieser Frauen.

 

Kaum repräsentiert in der Arbeitswelt

Gerade in der Arbeitswelt sind Frauen mit Behinderungen kaum repräsentiert. „Die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Behinderungen ist niedriger als jene der Männer mit Behinderungen und auch niedriger als jene der Frauen ohne Behinderungen“, so der Behindertenrat. In Führungspositionen seien Frauen mit Behinderungen kaum anzutreffen. Die Arbeitslosigkeit von Frauen mit Behinderungen habe sich unterdessen in den letzten zehn Jahren verdoppelt, heißt es. Die Datenlage allgemein wird jedoch als „dürftig“ bezeichnet.

Gabriele Sprengseis, Geschäftsführerin des Österreichischen Behindertenrates, schreibt in einer Aussendung: „Wir wollen Frauen mit Behinderungen Mut machen, ihnen eine Stimme geben und ihre Forderungen unterstützen.“ Der Präsident des Behindertenrates, Herbert Pichler, schreibt: „Es ist uns ein Anliegen, Frauen mit Behinderungen als wichtigen Teil der Interessenvertretung zu positionieren und ihre Probleme kontinuierlich zu thematisieren. Nur dann erreichen wir, dass in den Köpfen der Öffentlichkeit sich nachhaltig etwas ändert.“

Höheres Risiko für sexuellen Missbrauch

Frauenministerin Ines Stilling zeigte sich am Eröffnungstag unterdessen „erschüttert“ von der Tatsache, dass Frauen mit Behinderungen ein vielfach höheres Risiko haben, schon in jungen Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch zu werden.

„Mädchen mit Beeinträchtigungen erfahren zwei- bis dreimal häufiger sexuellen Missbrauch als Mädchen ohne Beeinträchtigungen.“ Das setze sich oft im Erwachsenenalter fort. „Diesen Kreislauf müssen wir so früh wie möglich durchbrechen“, so Stilling. Ein zentraler Aspekt sei die spezifische Beratung und konkrete Hilfestellung, die bundesweit ausgebaut werden solle.

„Es gibt noch viel zu tun“

Aktuell sei es gelungen, das Beratungsangebot für von sexueller Gewalt betroffene Frauen auszubauen und zusätzlich in den Bundesländern Burgenland, Kärnten und Vorarlberg anzubieten. Sie sieht Fortschritte, aber: „Es gibt noch viel zu tun.“ Auch Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein verwies auf den Aspekt Gewalt und Behinderung: Als frühere Staatsanwältin sei sie mit dem Phänomen vertraut, man müsse dies unbedingt thematisieren.

Appell von Politikerin: „Vernetzt euch!“

„Es wird viel mehr über Frauen mit Behinderungen gesprochen als mit ihnen“, ergänzte Katrin Langensiepen. Die deutsche Grünen-Politikerin wurde im Mai als erste und bis dato einzige Frau mit einer sichtbaren Behinderung ins Europäische Parlament gewählt. Ihr Appell: „Bildet Banden! Vernetzt euch! Geht auf die Straße!“ Man brauche Vorbilder und Verbündete.