Blind auf Zeit

Ein ganz besonderes Angebot zur Sensibilisierung ist das „Cafe im Dunkeln“. In komplett abgedunkelter und geschützter Umgebung können Sie unter Anleitung unserer sehbehinderten Mitarbeiter ausprobieren was passiert, wenn Sie Geschmacks-, Geruchs-, Gehör-, und Tastsinn vermehrt einsetzen müssen, um sich im Raum zu orientieren und in der Situation am Tisch und beim Essen zurechtzufinden.

Die Erfahrung zeigt, dass hier Vorurteile und Berührungsängste durch die Selbsterfahrung in Kombination mit dem Austausch mit blinden Menschen schnell und unkompliziert abgebaut werden und der Weg für einen angemessenen Umgang miteinander nachhaltig geebnet wird.

Möchten Sie dieses Erlebnis für sich entdecken? Anmeldungen für Schulen, Firmen oder Gruppen im Sekretariat.

Zusätzlich bieten wir  Sensibilisierungs-Schulungen  für Mitarbeiter im Hotel- und Gastgewerbe an, in denen Sie quasi „Blind auf Zeit“ sind. Eine Erfahrung, die Sie nicht vergessen werden. Bitte melden Sie sich bei Interesse ebenfalls im Sekretariat.

Lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht:

 

 

Ein inspirierender Besuch

 – Exkursion des Kolleg 1D zum Blinden- und Sehbehindertenverband Kärnten (BSVK)

„Ich kann Gesagtes, welches der achtfachen der normalen Sprechgeschwindigkeit entspricht, verstehen.“ Ich traute kaum meinen Ohren, als ich dies vernahm. Vor uns stand ein quirliger älterer Herr mit Halbglatze und Brille, der nur so vor Lebensfreude übersprudelte. Der Schalk blitzte aus seinen Augen als er von all dem Schabernack erzählte, den er mit den Sehenden durch sein äußerst feines Gehör treiben kann. Kollegen im Büro nebenan können nicht einfach Angelegenheiten bereden, die nicht für die Ohren des Herrn Kavalirek, Obmann des BSVK, bestimmt sind, da dieser jedes Gespräch mitverfolgen kann, ohne an der Tür lauschen zu müssen. Als er erzählte, dass er in der Schule aufgrund seiner Sehbehinderung nie schwindeln habe können und während des Unterrichts immer aufmerksam zuhören habe müssen, um sich den Lehrstoff bereits in der Stunde einzuprägen, schwang ein wenig Bedauern in seiner Stimme mit. Ob das nun tatsächlich ein Nachteil ist, wage ich persönlich zu bezweifeln, da dies das Gedächtnis trainiert und Wissensakquirierung den Horizont erweitert und die Welt besser zu begreifen lehrt. Wir erfuhren, dass ein normalsichtiger Mensch sich zwischen 90 % und 95 % auf seine Augen verlässt. Daher sind deren Gehörsinn und der Tastsinn nicht sehr gut ausgebildet. „Ich, jedoch, kann Farben fühlen“, fährt Herr Kavalirek fort, „und den Weg erhören. Ich höre, wo Gebäude stehen oder wie vollgefüllt eine Tasse ist.“

Um uns ein wenig besser in die Lebenswirklichkeit von blinden Menschen hineinversetzen zu können, wurde uns die Gelegenheit zum sogenannten „Kaffee im Dunkeln“ geboten, wo wir in absoluter Finsternis Kaffee, Saft und einen Kuchen zu uns nahmen. Mit dem Wissen, dass meine „Blindheit“ zeitlich begrenzt sein würde, war dies eine aufregende und lustige Erfahrung, die unsere Gruppe ohne gröbere Unfälle (keine Kaffeeflecken auf der Kleidung, keine größeren Saftpfützen auf dem Boden) überstand. Auch das Tischtennisspielen mit Augenbinde öffnete uns die Augen dafür, wie schwierig es ist, den Ball allein durch das Hören mit dem Schläger zu treffen und zurückzuspielen. Ein unangenehmes Gefühl von Hilflosigkeit machte sich breit, als man den kleinen Tischtennisball auf dem Boden im Raum suchen musste, ohne etwas zu sehen. Wir durften auch einen Blick in den Schießstandraum für sehbehinderte Menschen werfen.

„Der BSVK will sehbehinderten Menschen eine möglichst selbstbestimmte und selbstständige Lebensführung ermöglichen. Der Verband stellt 19 Wohnungen zur Verfügung, in denen Menschen mit Sehbeeinträchtigung ohne Betreuung wohnen können. Blinde Menschen wollen oft selbstständig sein und ihr eigenes Reich haben, aber vielen wird dies nicht ermöglicht oder zugetraut“, meint der resolute Obmann. Bedauerlicherweise mussten wir erfahren, dass Anfragen um monetäre Unterstützung an Politiker, die gerne betonen, dass ihnen das Wohl aller Bürger am Herzen liege, auf taube Ohren stoßen. Dabei könnten Einrichtungen des Bundes, des Landes, des Magistrats oder der Gemeinden durch den Kauf von Produkten (Besen, Geschirrtücher, Handtücher, Putztücher etc.) Arbeitsplätze für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen erhalten bzw. schaffen und ihnen dadurch Würde und Wertschätzung entgegenbringen. Michelle Struckl, eine selbstbewusste kompetente junge Dame mit Sehbeeinträchtigung setzt uns in Kenntnis, dass unzureichende bis gar keine Förderungen für speziell angefertigte Computer (Kosten: 5.000 € bis 7.000 €) oder Blindenhunde (Kosten: 40.000 €), die eine deutliche Hebung der Lebensqualität von Menschen mit Sehbehinderung bedeuten, bestehen. Daher möchte ich jeden einzelnen Leser auffordern, zu überlegen, ob Sie unseren sehbeeinträchtigten Mitmenschen durch den Kauf ihrer Produkte, durch eine Spende oder durch irgendeine zündende Idee unterstützen können.

Abschließend betont der gesellschaftlich sehr aktive Obmann, dass sein Lebensmut, seine Lebensfreude und die Führung eines „normalen“ Lebens für ihn, als einen Menschen mit Sehbehinderung, nicht selbstverständlich sei: „Ich habe dies im Wesentlichen drei Faktoren zu verdanken. Erstens dem eigenen unbedingten Wollen anstatt in Selbstmitleid zu versinken. Zweitens der intensiven und liebevollen Förderung durch die Eltern und drittens anderen Menschen, die mich begleitet und unterstützt haben.“ Er fügt hinzu, dass es natürlich einen Unterschied mache, ob man schon von Geburt an eine Behinderung habe oder erst zu einem späteren Zeitpunkt im Leben mit einer Behinderung konfrontiert werde. Letztere haben oft mit Depressionen zu kämpfen, da sie das Leben ohne Beeinträchtigung kennen. Dennoch gilt auch für sie, nicht den Kopf hängen zu lassen und mit dem Schicksal zu hadern, sondern sich mutig der neuen Herausforderung zu stellen.

Einen Besuch des BSVK kann ich nur weiterempfehlen. Er lehrt Selbstverständliches nicht als selbstverständlich zu sehen, dankbar und demütig zu sein, nicht zu schnell ein Leben als lebensunwert anzusehen – was in der heutigen Gesellschaft leider zur vorherrschenden Gesinnung wird – und es zeigt welche wertvolle und bedeutende und richtungsweisende Funktion Mutter und Vater im Leben ihrer Kinder einnehmen. Ein herzliches Dankeschön an meine Eltern, ohne die ich nicht das wäre, was ich jetzt bin!

Mag. Beatrice Emmer

 

Stimmen zur Exkursion:

„Für mich war diese Begegnung sehr interessant. Der „Kaffee im Dunkeln“ hat mir die Möglichkeit gegeben, mich in den Alltag von sehbehinderten Menschen hineinzuversetzen. Beeindruckend war für mich die Lebensfreude, die von Herrn Kavalirek ausgegangen ist. Ich bin dankbar für dieses bereichernde Erlebnis.“ – Edith Dau-Urschitz

„Die Exkursion war für mich eine spannende Möglichkeit in die Welt einer blinden bzw. sehbehinderten Person einzutauchen. Ich konnte so in Erfahrung bringen und erahnen mit welchen Anstrengungen diese Einschränkung verbunden ist, womit ich persönlich in einem solchen Ausmaß nicht gerechnet hätte. Selbst kleinste Alltagssituationen werden so zu einer großen Herausforderung. Ich fand es bewundernswert mit welcher Leidenschaft hier ein Heim und ein Arbeitsplatz für blinde und sehbehinderte Personen geschaffen wurde.“ – Jasmin Benedikt

 

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